Vielleicht kennst du das: Du gehst regelmäßig zum Yoga, aber plötzlich fühlt sich manches anders an. Die Kraft lässt nach, die Gelenke sind steifer, die Balance ist nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Vielleicht kommen Schlafstörungen, Hitzewallungen oder Stimmungsschwankungen hinzu.
Viele Frauen erleben während der Wechseljahre solche Veränderungen. Und nicht selten entsteht dabei das Gefühl, dass der eigene Körper nicht mehr so mitmacht wie gewohnt.
Doch was passiert eigentlich im Körper? Und warum verändert sich gerade jetzt so viel?
Was passiert in den Wechseljahren?
Ein wesentlicher Auslöser ist der sinkende Östrogenspiegel. Östrogen beeinflusst weit mehr als nur den weiblichen Zyklus. Es spielt auch eine wichtige Rolle für unsere Knochen, Muskeln und das Zusammenspiel verschiedener Körpersysteme (z.B. Kollagenstoffwechsel und Gewebeeigenschaften).
Man könnte sagen: Östrogen unterstützt den Erhalt von Knochen und Muskulatur. Wenn sein Spiegel in den Wechseljahren sinkt, verändert sich dieses Gleichgewicht – an zwei wichtigen Stellen gleichzeitig.
1. Unsere Knochen
Östrogen hilft dabei, den natürlichen Knochenabbau zu regulieren. Es bremst unter anderem die Aktivität der sogenannten Osteoklasten – jener Zellen, die alte Knochensubstanz abbauen.
Sinkt der Östrogenspiegel, kann der Knochenabbau zunehmen. Wird mehr Knochen abgebaut, als neu gebildet werden kann, nimmt die Knochendichte ab. Das Risiko für Osteoporose steigt.
2. Unsere Muskeln
Auch unsere Muskulatur reagiert auf hormonelle Veränderungen. Östrogen unterstützt unter anderem den Muskelstoffwechsel, die Verarbeitung von Eiweiß und die Regeneration des Muskelgewebes.
Mit sinkendem Östrogenspiegel kann es schwieriger werden, Muskelmasse und Muskelkraft zu erhalten. Gleichzeitig verändert sich die Körperzusammensetzung: Die Muskelmasse nimmt tendenziell ab, während der Fettanteil zunimmt.
Auch Gelenk- und Muskelschmerzen werden von vielen Frauen in dieser Lebensphase beschrieben. Die hormonellen Veränderungen können dabei eine Rolle spielen, die Ursachen sind jedoch vielfältig.
Was bedeutet das für unseren Körper?
Weniger Muskulatur bedeutet nicht nur weniger Kraft. Unsere Muskeln erfüllen viele wichtige Aufgaben:
- Sie geben unseren Knochen durch Zug- und Druckbelastung wichtige Trainingsreize.
- Sie stabilisieren unsere Gelenke und unterstützen unsere Balance.
- Sie helfen uns, alltägliche Bewegungen sicher und kraftvoll auszuführen.
- Sie beeinflussen unseren Energieverbrauch und unseren Stoffwechsel.
Es lohnt sich also, gerade in den Wechseljahren aktiv etwas für den Erhalt von Muskelkraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht zu tun.
Was sagt die Forschung?
Die Forschung zeigt, dass insbesondere progressives Krafttraining eine wichtige Rolle für den Erhalt von Muskelmasse und Knochengesundheit spielt.
Yoga kann diese Arbeit sinnvoll ergänzen: Es verbindet Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht, Körperwahrnehmung und bewusste Atmung.
Beide Trainingsformen setzen unterschiedliche Reize. Zusammen können sie einen wertvollen Beitrag dazu leisten, unseren Körper in dieser Lebensphase zu unterstützen.
Und was bedeutet das für unser Yoga?
Für mich bedeutet es vor allem eines: Unser Körper verändert sich – und unser Yoga darf sich mit ihm verändern. In den Wechseljahren geht es nicht darum, weniger zu machen. Im Gegenteil: Wir dürfen und sollen unseren Körper fordern – aber mit einem anderen Blick auf seine Bedürfnisse.
Yoga sollte sich deinem Leben anpassen, nicht umgekehrt.
Wie ich dieses Wissen in meinen Yoga-Stunden für Frauen in den Wechseljahren umsetze und welche Schwerpunkte ich dabei setze, erfährst du im nächsten Blogbeitrag.
